Persönliche Einblicke und gelebte Hilfe beim Lions Lunch
Am heutigen Lunch begrüsste Beat die Anwesenden herzlich und führte in das Programm „Who is who“ mit Jürg Bruggmann ein. Speziell willkommen geheissen wurde Jannis Regenscheit, der erstmals teilnahm und den Wunsch äusserte, von den Leos zu den Lions überzutreten. Jannis stellte sich kurz vor: Er ist seit jeher mit Weinfelden verbunden, wohnt aktuell in Winterthur, arbeitet bei der UBS und bedankte sich für die Möglichkeit, bereits heute dabei sein zu dürfen.
Im Anschluss informierte Beat über einen aktuellen Unterstützungsfall. Eine Mutter eines 11-jährigen Kindes brachte ihr zweites Kind deutlich zu früh zur Welt, welches derzeit auf der Station für Frühgeborene betreut wird. Aufgrund der täglichen Pendelbelastung zwischen Arbeit und Spital besteht für den 11-jährigen Sohn Bedarf an einem Mittagstisch. Die beantragten Kosten von 2’200 Franken wurden einstimmig gutgeheissen.
Danach übernahm Jürg Bruggmann das Wort und gewährte einen persönlichen Einblick in sein Leben. Er wuchs mit zwei Geschwistern auf und bezeichnete sich selbst augenzwinkernd als handwerklich wenig begabt („zwei linke Daumen“), weshalb er eine KV-Lehre in einer Milchpulverfabrik in Sulgen absolvierte. Seine grosse Leidenschaft galt jedoch schon früh dem Sport, insbesondere dem Velofahren. Eine amüsante Anekdote aus dieser Zeit: Bereits mit 19 Jahren durfte er das Milchgeld (Bargeld) verteilen – damals durchaus beträchtliche Summen die heute knapp 1 Million Wert waren.
Mit rund 20 Jahren gelang ihm ein sportlicher Höhepunkt, als er vor Gilbert Glaus eine Schweizermeisterschaft gewann. Die Zeitungen titelten damals: „Thurgauer schnappte Glaus den Titel weg“. In seiner Jungend heiratete er seine Jugendliebe, mit der er inzwischen seit 42 Jahren verheiratet ist.
Ein prägender Leitsatz, den er von einem holländischen Velofahrer übernahm, lautet: „Du darfst deinen Lebensstandard nicht deinem aktuellen Lohn angleichen.“ Gerade im Sport unterliegt das Einkommen starken Schwankungen. Neben Erfolgen prägten ihn auch die Strapazen des Leistungssports: lange Rennstrecken von bis zu 300 km, intensive Reisetätigkeit mit rund 80’000 km Autofahrten pro Jahr sowie zahlreiche Flüge. Besonders in Erinnerung blieb ihm ein Jahr, in dem sein Auto gleich dreimal in den Service musste, sowie ein kurzes Wochenende in São Paulo, zu dem er ausschliesslich für ein Rennen anreiste. Gleichzeitig durfte er auch besondere Momente erleben, etwa eine spontane Einladung in ein Drei-Sterne-Michelin-Restaurant in Crissier. Seine Ausführungen könnten bestimmt noch sehr lange weitergehen, doch mit einem Blick auf die Uhr klickte er sich zum nächsten Thema.
Nach seiner Sportkarriere war Jürg Bruggmann vor allem in den Sozialen Diensten tätig. Aus dieser Zeit sind ihm verschiedene Erkenntnisse geblieben: „Rubikon“ – ein Punkt, an dem Entscheidungen unumkehrbar werden (die Würfel sind gefallen) – sowie das Pareto-Prinzip, wonach 10% der Fälle 90% des Aufwands verursachen.
Ein prägender Unterschied zwischen Sport und Sozialarbeit liegt für ihn in der Art der Wertschätzung: Während im Sport gelegentlich luxuriöse Einladungen winken, sind es im sozialen Bereich oft kleine Gesten wie selbst gebackene Kekse – dafür mit umso mehr Herz von Menschen, die selbst wenig besitzen. Diese Erfahrungen haben ihn tief berührt. Eine weitere wichtige Erkenntnis: Armut macht krank. Dies musste er immer wieder in seiner Funktion mit erleben.
Auch die zunehmende Digitalisierung und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz beschäftigen die Sozialdienste. So schilderte er einen Fall kurz vor seiner Pensionierung, bei dem eine Person unmittelbar nach Verlassen des Amts eine scheinbar professionelle Rechtsschrift einreichte, erstellt mithilfe von KI und basierend auf Inhalten aus Deutschland und Zürich. Solche Entwicklungen werden die Arbeit künftig weiter prägen.
Privat blickt Jürg Bruggmann auf ein erfülltes Familienleben mit vier eigenen Kindern und fünf Pflegekindern zurück, von denen er ebenfalls viel lernen durfte. Mit persönlichen und reflektierten Worten über sein Leben schloss er seinen äusserst spannenden Vortrag.
Nach dem Essen fand eine kurze Umfrage zu „Dinner for Five“ statt. Dabei wurden auch Dominik, Kurt und Jasmin den entsprechenden Gruppen zugeteilt.
Martin Bruhin 21.04.2026